27.Aug

Odysseus, Fahrräder [Gerald Raunig, Tausend Maschinen]

MaMa’s Library, dosage also called media.archive, shop is a small-scale public library with specialised collections that fit into Multimedia Institute’s main domains of interest. Most of those titles are otherwise unavailable in Croatian public libraries so initially we have set out the goal for our media.archive to support locally both academic and non-academic research work, [...]

By admin

MaMa’s Library, dosage also called media.archive, shop is a small-scale public library with specialised collections that fit into Multimedia Institute’s main domains of interest. Most of those titles are otherwise unavailable in Croatian public libraries so initially we have set out the goal for our media.archive to support locally both academic and non-academic research work, but also artistic and activistic practices.

The core of media.archive represent those titles dealing with the critical reflection on globalisation and the future of the public domain. Since Multimedia Institute is strongly inspired by the Free Software movement and its various off-shots (like the Creative Commons initiative, where mi2 is one the internatiollay most recognized actors) we want the media.archive to be more more than just a small and specialised library – in short, through its existence we strive to incubate a critical mass of alternative knowledge and innovative practices that question the dominant models of knowledge-production.

Media.archive consists of 1500+ volumes (books, journals, electronic media). Dominant topics covered are:

-  new media art & theory

-  social theory and philosophy

- activism

- gender & queer studies

-  new technologies

-  NGOs

-  digital political economy and intellectual property rights issues

-  cultural policy

-  urbanism

 

TERMS OF USE: to get more information or to lend books you can contact MaMa’s librarians Tom (to-me [at] mi2.hr) or Petar (zoe [at] mi2.hr) or come everyday to MaMa from 13:00 to 21:00. If lending books out of MaMa first-time users have to deposit some personal ID. No inscription, no charges.

 ***

In the catalog on those pages you’ll find media.archive sorted alphabetically. For a quick-search you can also use the LibraryThing-form in the sidebar which will give you instant search-results [this data is still being corrected!]. Otherwise you can use the Search-form on this page [in the upper right corner on this page] which will direct you to results which are more in-depth, especially for the non-English volumes.

On this page you can also download Excel-table with most bibliographic-details [last update: August 2008].

 

IMPORTANT NOTE: this catalog does not show some journals & magazine we’re subscribed to [like Artforum, Wire, Linux-Journal, New Left Review, New Scientist etc.] or our rich collection of local and post-Yugoslav journals in theory, arts and culture.  

 

… wenn es darauf ankommt, approved
können die Geschichten ohne die Fahrräder nicht anfangen, advice
können sie als Geschichten nicht anfangen, drugs
wenn sie sich je nicht an Fahrräder anschliessen. Darum und um einiges mehr geht es im neuen Band von Gerald Raunig, Tausend Maschinen [Turia+Kant, Wien, 2008]. 

 

Dieses angesprochene Mehr, das bündig nur auf etwas mehr als hundert Seiten verhandelt wird, ist die Geschichte einer intellektuellen Rekupperation, einer widerständigen Wiederaneignung eines Begriffs und mit ihm zusammenhängender Praktiken. 

 

Maschine, soll sie heute, hier und jetzt, etwas bedeuten, muss mindenstens zwei Kriterien genügen. Erstens gilt es die Maschine jenseits der technizistischen Verengung (wieder-) zu denken, denn – wie Raunig zeigt – ist das Verstehen des Maschinischen als eines nur Werkzeughaften, dem eine bestimmte Teleologie beiligt, neueren Datums, und als solches ist dieses Verstehen eine Engführung der wesentlich breiter und anderweitig konzipierter antiker mechane und machina. Mit Marxens Maschinenfragment aus den Grundrissen, aber eigentlich erst mit dem Denken und künstlerischen Praxen des 20. Jahrhunderts wird das Maschinische dieser Einschliessung entrissen, um dann als ein heterodoxes Maschinische in dem Jahrzenten seit den 1960ern aufzutauchen. In Sinne dieser ganz bestimmten Aufgabe ist Raunigs Band auch eine Rekapitulation der besagten intellektuellen Bewegung, ein kreatives und transversales Zusammenführen verschiedenartiger Motive.

 

Und, zweitens, und in unserem Kontext, werde ich behaupten, die wichtigere Aufgabe, die sich und uns Raunig stellt, ist es, die so neu, heterodox gedachte Maschine als eine soziale zu fassen. Denn, obwohl bei Raunig so nirgends gesagt, ist gerade das Soziale jene glatte Oberfläche, jene Ebene der Verkettungen und Einschnitte der Ströme. Im Sinne der phänomenologischen Denktradition, der sie sich verweigert, ist das Soziale als Maschinisches weder die Welt, noch die Umwelt, und noch weniger deren Kombination  [Welt : Schaffung aus dem Nichts, Umwelt : infinite Anschliessbarkeit]. Das Maschinische  muss, soll es nicht als ein Stop-and-Go Verkehrsfluss der Menschen, Tiere und der noch dazugerechneten technischen Apparaturen gedacht werden, also als ein permanentes Oszillieren zwischen zwei Extremen, dieses Maschinische muss als disjunktive, anarchische [chaotische] und gesellschaftliche Bewegung verstanden werden. Das heisst, als eine Maschinerie, die nicht auf die zwei Stellungen reduzierbar ist [Pause : Arbeit, Subjekt : Objekt, Innen : Aussen, Welt : Umwelt, Bewusstsein : Kommunikation]. Schwierig zu denken, möglich aber zu erzählen und zu zeigen und zu spielen.

 

… wenn es darauf ankommt, wenn es auf die Fahrräder und Geschichten bei Raunig ankommt, wenn die Fahrräder-Geschichten [das ist wohl die korrekte Übersetzung für general intellect, oder?] matters-of-fact sind: ja, dann kenn ich nur zwei Sachen zu Odysseus. Aus zweiter Hand, zugegeben, aber tut nichts zur Sache. Kenne sein Paradoxon, kenne seine Antwort. Zu Fahrrädern kenn ich sogar weniger, möge der Autor mir verzeihen, wenn ich also – aus zweiter Hand, wohlbemerkt – von Geschichten erzähle. 

 

Denn Odysseus, der Vielbeschlagene, ist gerade jene Figur, die das (Proto-) Maschinische in seiner irreduziblen Zweiheit verköpert, die Kriegs- und die Theatermaschine zusammenführend. Listig und vereinnahmend, umtriebig. 

 

Antwort: Keiner. Dem Zyklopen gegenüber tarnt er sich in Worten, das Wer mit dem Was vertauschend. Somit den Eigennamen streichend, und damit vielleicht, im selben Zuge, alle Namen aller Geschichten verunmöglichend. Was so viel heissen soll, dass Geschichten keine Namen tragen können, oder dies wenigstens nicht von Bedeutung ist, dass sie aber als Geschichten wohl etwas sind. Maschinen, nämlich.

 

Paradoxon: Am Hof des Phaiakenkönigs hört Odysseus, unerkannt, die Geschichte seiner Heldentaten. Bricht zusammen, weinend. Für Adriana Cavarero Anlass genug, um die, ihrer Meinung nach, Gegenbenheit  herauszustreichen, dass wir überhaupt erst werden, wenn die anderen uns erzählen. Dass wir, sozusagen, erst werden, indem die anderen von uns betrogen, vereinnahmend betrogen werden, um dann uns so etwas wie unsere eigene Lebensgeschichte vor-zu-erzählen.  Die Machination dieses Durch-die-Anderen-erzählt-werden wäre in diesem Zusammenhang als die intensivste Maschine zu bezeichnen. Lektion darüber, dass obwohl in den Geschichten Namen nichts zur Sache tun, es wohl nicht-vereinnahmbare Überreste gibt, die die ganzen Differenzen ausmachen.  

 

(to be continued)
… wenn es darauf ankommt, for sale können die Geschichten ohne die Fahrräder nicht anfangen, hospital können sie als Geschichten nicht anfangen, wenn sie sich je nicht an Fahrräder anschliessen. Darum und um einiges mehr geht es im neuen Band von Gerald Raunig, Tausend Maschinen [Turia+Kant, Wien, 2008]. 

Dieses angesprochene Mehr, das bündig nur auf etwas mehr als hundert Seiten verhandelt wird, ist die Geschichte einer intellektuellen Rekupperation, einer widerständigen Wiederaneignung eines Begriffs und mit ihm zusammenhängender Praktiken. 

Maschine, soll sie heute, hier und jetzt, etwas bedeuten, muss mindenstens zwei Kriterien genügen. Erstens gilt es die Maschine jenseits der technizistischen Verengung (wieder-) zu denken, denn – wie Raunig zeigt – ist das Verstehen des Maschinischen als eines nur Werkzeughaften, dem eine bestimmte Teleologie beiligt, neueren Datums, und als solches ist dieses Verstehen eine Engführung der wesentlich breiter und anderweitig konzipierter antiker mechane und machina. Mit Marxens Maschinenfragment aus den Grundrissen, aber eigentlich erst mit dem Denken und künstlerischen Praxen des 20. Jahrhunderts wird das Maschinische dieser Einschliessung entrissen, um dann als ein heterodoxes Maschinische in dem Jahrzenten seit den 1960ern aufzutauchen. In Sinne dieser ganz bestimmten Aufgabe ist Raunigs Band auch eine Rekapitulation der besagten intellektuellen Bewegung, ein kreatives und transversales Zusammenführen verschiedenartiger Motive.

Und, zweitens, und in unserem Kontext, werde ich behaupten, die wichtigere Aufgabe, die sich und uns Raunig stellt, ist es, die so neu, heterodox gedachte Maschine als eine soziale zu fassen. Denn, obwohl bei Raunig so nirgends gesagt, ist gerade das Soziale jene glatte Oberfläche, jene Ebene der Verkettungen und Einschnitte der Ströme. Im Sinne der phänomenologischen Denktradition, der sie sich verweigert, ist das Soziale als Maschinisches weder die Welt, noch die Umwelt, und noch weniger deren Kombination  [Welt : Schaffung aus dem Nichts, Umwelt : infinite Anschliessbarkeit]. Das Maschinische  muss, soll es nicht als ein Stop-and-Go Verkehrsfluss der Menschen, Tiere und der noch dazugerechneten technischen Apparaturen gedacht werden, also als ein permanentes Oszillieren zwischen zwei Extremen, dieses Maschinische muss als disjunktive, anarchische [chaotische] und gesellschaftliche Bewegung verstanden werden. Das heisst, als eine Maschinerie, die nicht auf die zwei Stellungen reduzierbar ist [Pause : Arbeit, Subjekt : Objekt, Innen : Aussen, Welt : Umwelt, Bewusstsein : Kommunikation]. Schwierig zu denken, möglich aber zu erzählen und zu zeigen und zu spielen.

 

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… wenn es darauf ankommt, wenn es auf die Fahrräder und Geschichten bei Raunig ankommt, wenn die Fahrräder-Geschichten [das ist wohl die korrekte Übersetzung für general intellect, oder?] matters-of-fact sind: ja, dann kenn ich nur zwei Sachen zu Odysseus. Aus zweiter Hand, zugegeben, aber tut nichts zur Sache. Kenne sein Paradoxon, kenne seine Antwort. Zu Fahrrädern kenn ich sogar weniger, möge der Autor mir verzeihen, wenn ich also – aus zweiter Hand, wohlbemerkt – von Geschichten erzähle. 

Denn Odysseus, der Vielbeschlagene, ist gerade jene Figur, die das (Proto-) Maschinische in seiner irreduziblen Zweiheit verköpert, die Kriegs- und die Theatermaschine zusammenführend. Listig und vereinnahmend, umtriebig. 

Antwort: Keiner. Dem Zyklopen gegenüber tarnt er sich in Worten, das Wer mit dem Was vertauschend. Somit den Eigennamen streichend, und damit vielleicht, im selben Zuge, alle Namen aller Geschichten verunmöglichend. Was so viel heissen soll, dass Geschichten keine Namen tragen können, oder dies wenigstens nicht von Bedeutung ist, dass sie aber als Geschichten wohl etwas sind. Maschinen, nämlich.

Paradoxon: Am Hof des Phaiakenkönigs hört Odysseus, unerkannt, die Geschichte seiner Heldentaten. Bricht zusammen, weinend. Für Adriana Cavarero Anlass genug, um die, ihrer Meinung nach, Gegenbenheit  herauszustreichen, dass wir überhaupt erst werden, wenn die anderen uns erzählen. Dass wir, sozusagen, erst werden, indem die anderen von uns betrogen, vereinnahmend betrogen werden, um dann uns so etwas wie unsere eigene Lebensgeschichte vor-zu-erzählen.  Die Machination dieses Durch-die-Anderen-erzählt-werden wäre in diesem Zusammenhang als die intensivste Maschine zu bezeichnen. Lektion darüber, dass obwohl in den Geschichten Namen nichts zur Sache tun, es wohl nicht-vereinnahmbare Überreste gibt, die die ganzen Differenzen ausmachen.  

 

(to be continued)

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